Jahrestagung des BÖP 14.10.2006, Hotel ModulEröffnung der Tagung durch Vizepräsident Cornel Binder-Krieglstein in Vertretung von Ulla Konrad (Präsidentin des BÖP) Liv Zaslawski (statt Alexander Gindl): Mediation mit gehörlosen Menschen Univ.-Prof. Dr. Leo Montada 'Wieviel Psychologie braucht die Mediation?' Univ.- Prof. Dr. Reiner H. E. Bastine 'Welche psychologische Kompetenzen brauchen MediatorInnen?' Dr. Gerald Kastner 'Kinder in der Mediation' Podiumsdiskussion 'Sichtweisen - Kontexte - Schlussfolgerungen' - Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Klima ____________________________________________________________________________________________ Cornel BINDER-KRIEGLSTEIN ... ... eröffnet die Jahrestagung des BÖP mit den Worten: 'Mediation wird unterschätzt. Es geht um mehr als strukturierte Vermittlung: Es ist eine Einstellung, eine Grundhaltung.' Liv ZASLAWSKI (LZ): Mediation mit gehörlosen Menschen Mediation und Gehörlosigkeit- Konfliktbearbeitung ohne Grenzen Im Behindertengleichstellungsgesetz, welches am 1. Jänner 2006 in Kraft getreten ist, ist die Möglichkeit der kostenfreien Mediation als zentraler Bestandteil des Gesetzes festgeschrieben. Damit wird Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen das Recht eingeräumt, sich gegen Diskriminierungen zur Wehr zu setzen. Die benachteiligte Person kann das Bundessozialamt anrufen, wo den Konfliktparteien eine durch das Bundessozialamt finanzierte Mediation vorgeschlagen wird. In Familien mit gehörlosen und hörenden Mitgliedern stellen nicht nur die alltäglichen Streitereien zwischen den Generationen, sondern häufig auch die mangelnde Kommunikation ein gewaltiges Konfliktpotential dar. Allerdings sind gehörlosen Personen außerhalb des geschützten Familienverbandes wesentlich mehr durch Kommunikationsbarrieren und fehlender Sensibilität der hörenden Welt Konflikten in der beruflichen Umwelt ausgesetzt. Daher ist es vor allem in Streitigkeiten, an denen gehörlosen Parteien beteiligt sind, von besonderer Bedeutsamkeit die Kommunikationsschwierigkeiten durch unterschiedliche Methoden und zusätzlicher Professionisten in Form von DolmetscherInnen zu minimieren, um eine positive Ausgangssituation zur Konfliktbearbeitung zu schaffen. Im Falle der Mediation mit gehörlosen Personen ist es ein Zeichen der Gleichberechtigung der Parteien, wenn der/die Mediator/in gebärden kann und den Klienten damit das Gefühl der Anerkennung und des Verständnisses vermittelt. Der Versuch, sowohl die Aufgaben eines/einer MediatorIn als auch die eines/einer äGS- DolmetscherIn zum seIben Zeitpunkt zu bewältigen, kann aufgrund einiger grundlegender Gegensätze zwischen den beiden Berufsbildern niemals die erwünschten Ergebnisse erzielen. Dies verdeutlicht die folgende Gegenüberstellung der wesentlichsten Grundsätze von Mediation und Dolmetschen:
Zwar verstehen sich beide Berufsbilder als neutral bzw. allparteilich gegenüber den Personen. Falls in der Mediation ein ersichtliches Machtungleichgewicht besteht, wird der/die Mediator/in versuchen, dieses durch Unterstützung der schwächeren Seite auszugleichen. Es wird auch deutlich, dass durch unterschiedliche Mediationstechniken, wie etwa Refraiming bzw .Neutralisieren der Dolmetscher-Grundsatz der uneingeschränkten Übersetzung verletzt wird. Zusätzlich zu den oben dargestellten Problemen ist es sehr schwierig für eine Person, die sowohl Mediator als auch Dolmetscher ist, ständig die Aufgaben der unterschiedlichen Berufe zu differenzieren und die uneingeschränkte Neutralität zu behalten. Durch einen zusätzlichen Dolmetscher, der abwechselnd in Lautsprache und Gebärdensprache, den Parteien, die gerade nicht mit dem Mediator arbeiten, übersetzt, kann zusätzliches Vertrauen aufgebaut und auch eine gewisse Zeitersparnis gewonnen werden. Worauf ist seitens der Mediatorin bzw. des Mediators zu achten, angesichts der außergewöhnlichen Situation der Mediandlnnen? Was bedeutet die Einbeziehung eines Dolmetschers für den Mediationsprozess und die Beteiligten? Wichtige Fragen, die es zu überdenken gilt. Es gibt ca. 10.000 gehörlose Personen, dazu kommen weitere 500.000 Hörbeeinträchtigte. Österreichische Gebärdensprache: hat regionale Dialekte; z.B. heisst die gleiche Gebärde in Wien 'Entschuldigung', in Kärnten aber 'Wie heißt Du?'. Es ist wünschenswert, wenn die Mediatorin/der Mediator bei einer Mediation mit einer gehörlosen Person gebärden kann. Dies erspart aber nicht die/den ÖGS-DolmetscherIn. Würde dies in einer Person vereint, kommt es leicht zu Rollenkonflikten. Die Wahl der Dolmetscherin/des Dolmetschers obliegt der gehörlosen Person. (http://www.oegsd.at ÖGS-DometscherInnenverband ) ? Reiner Bastine: Wird wörtlich gedolmetscht? ? RB: Könnte nicht der/die ÖGS-DolmetscherIn bereits - wie MediatorInnen sonst auch - 'übersetzen' im Sinne von umdeuten, reframen etc.? ? Karin Edelhart: Ich habe bei einem innerbetr. Konflikt zwischen österr. und ital. Kollegen selbst gedolmetscht. ? Gerald Kastner: Was ist mit 'Übersetzungsmaschine' gemeint? Univ.-Prof. Dr. Leo Montada, Wieviel Psychologie braucht die Mediation? Mediation wird von Akademikern mit verschiedenen Ausbildungen und 'Grundberufen' professionell angeboten. Diese faktische Interdisziplinarität spiegelt sich auch in der einschlägigen Literatur und den Ausbildungsprogrammen wieder. Aus Sicht der Psychologie sind einige 'Mythen' in der Mediationsliteratur zu problematisieren:
Die Psychologie ist eine Schatztruhe für die konstruktive Gestaltung von Mediationen, spezifisch:
Viele Forschungsrichtungen der Psychologie liefern wichtige Erkenntnisse und Methoden für eine erfolgreiche Führung von Mediationen.
Was sind mögliche 'Entwicklungsgewinne' durch eine Mediation?
Der Titel des Vortrags heißt: 'Wieviel Psychologie braucht die Mediation?'
Die Frage ist: Wo liegt der Kern des Konflikts? Wo liegen die Quellen normativer Überzeugungen?
'Normquellen sebst sind untereinander schon nicht widerspruchsfrei.' 'Konflikte sind ubiqitär.' 'Grechtigkeit' gibt es nur im Singular. Als ob es EINE Wahrheit gäbe. Welche Ungleichheit erlaubt Ungleichbehandlung?
Was heißt 'Konfliktbeilegung' ?
Ist der Konflikt beigelegt, wenn der Richter entschieden hat? Oft wird das eigene Handeln durch vorausgegangene Konflikte gerechtfertigt: als Rache, Vergeltung etc. Was ist 'Verzeihung' ? (Funktionalität der 'Bitte um Verzeihung')
Das normative Dilemma:
Vertrag: Ein Vertrag ist gerecht, wenn ...
Blockaden zwischen den Konfliktparteien:
Lösungsanreicherungen am Beispiel Nachbarn: Wie soll man Vertrauen in die Zukunft haben, wenn es in der Vergangenheit nicht funktioniert hat? (Kränkungen aus der Vergangenheit)
'Mediation ist eine Gelegenheit, anhand eines Konfliktes mehr über sich zu lernen.' 'Empörung ist eine Reaktion auf eine Normverletzung.' Repräsentanten in der Mediation: Hier ist die 'Eigenverantwortung' besonders schwer zu tragen, diese Repräsentanten müssen ja dann noch jeweils rückfragen!
Mediation vs. Therapie: ANGST: Wer Angst hat, sieht irgendetwas als Gefahr. Univ.- Prof. Dr. Reiner H. E. Bastine, Welche psychologischen Kompetenzen brauchen MediatorInnen? Diese Frage wird immer wieder gestellt, selten aber genauer untersucht oder gar beantwortet, obwohl sie durchaus zentral ist für einige elementare Qualifizierungsmerkmale der Profession Mediation, z.B. für die Gesetzgebung zur Mediation, für die Entwicklung beruflicher Standards oder auch für Konzeption und Inhalte der Ausbildung. Roger Fisher, Daniel Shapiro haben geschrieben: Beyond Reason: Using Emotions as You Negotiate - auf deutsch könnte man sagen 'jenseits aller Vernunft'. Es geht also doch um mehr als Intellektuelles. Die im Harvard-Konzept beschriebene Trennung von Sache und Person wird hier zu Recht in Frage gestellt. Das ist der erste Grund, warum Mediation Psychologie braucht.
Mediation als Interaktion und Kommunikation: Ist dies ein geplanter Prozeß? Es braucht
Nicht zuletzt wollen auch diejenigen, die diesen Beruf ergreifen wollen, wissen, was sie an psychologischen Kompetenzen für eine erfolgreiche Tätigkeit als Mediatoren benötigen -als Psychologen, die manche Voraussetzungen eventuell schon mitbringen, oder als Nicht- Psychologen, die diese erst noch erwerben müssen. Der Vortrag hat vor allem drei Themen diskutiert:
ad 1. Welche psychologischen Fertigkeiten und grundlegenden Haltungen brauchen Mediator/inn/en? Die Organisation 'Family Mediation Canada' hat 2004 mit der Zertifizierung von MediatorInnen begonnen. Ziel:
Dr. Gerald Kastner, Kinder in der Mediation Der Weg vom Sachverständigen und Gutachter für die Wiener Jugendwohlfahrt zum Mediator für Scheidungs- und Trennungsfamilien beginnt mit einer Pflichtverletzung...
Jede Konfliktpartei baut eine Burg. Dann werden Aliierte gebraucht - die Kinder. Da kann es dann schon sein, daß der eine Elternteil so viel über den anderen herzieht, daß nur mehr das Negative übrigbleibt.
Jeder Mensch braucht seine eigene Geschichte, seine eigene Story.
Kinder brauchen es auch kennnenzulernen, wie sich die Eltern über etwas einigen können.
Im Problem- und Lösungsstand der Mediation beginnt für die von der MediatorIn unterstützten Streitparteien eine Ressourcen- und Optionensuche für nachhaltige, nützliche und realisierbare Vereinbarungen.
Welche Vereinbarungen gelingen, welche mißlingen können, hängt von vielen Außenkriterien, Evaluatoren ab. Was Streitparteien in der Scheidungs- und Trennungsmediation vereinbaren, muß von anderen - den Kindern, neuen Lebenspartnern, Schwieger- und Großeltern (mit)gelebt werden. Sie sind die Evaluatoren für die Vereinbarungen. Vereinbarungen - in bester Absicht - scheitern, wenn die Grundbedürfnisse der von den Lösungen (Mit)Betroffenen nicht erkannt, definiert, respektiert und eingebaut werden. Also - recht simpel - beginnen wir bei den Kindern, setzen wir fort bei den neuen Lebenspartnern, hören wir die 'Stiefs'- an und so weiter. Je mehr wir (Setting Streitparteien und MediatorIn) von deren Bedürfnissen, Wünschen, Grenzen, Sorgen wissen, umso mehr Wegweiser sind aufgestellt, um in den Bereich nützliche, machbare, befriedigende Lösungen zu kommen. Aber wie baut man (z.B.) Kinder in die Mediation ein? Gibt es Dos und Don'ts ? Wie redet man mit Kindern?
Kinder wünschen sich dann manchmal, ...
Was ist der Kollateralnutzen des Einbindens ?
Hopp oder dropp -oder -die sorgfältige Implementierung?
Bin ich verantwortlich für die Qualität der Werksküche, wenn ich davon erzähle, was mir schmeckt und was ich nicht mag ? Den Kindern zuviel Verantwortung aufbürden ?
Es ist eine 3-fache Kontextklärung notwendig:
Gemeinsam besprechen wir dann den Bericht an die Eltern. Wir machen uns vorher aus,
Bei dieser Besprechung wird nichts vereinbart, das ist wichtig. DIE ELTERN MACHEN SICH DAS AUS ! Oft ist noch ein Nachjustieren notwendig MEINUNG - DEINUNG
Noch ein Wort zur 'Freiwilligkeit': Freiwillig heißt, ich muß verstehen, worauf ich mich einlasse, und das auch wollen. Dies ist für mich der 'zugemutete Kontext' im Gegensatz zum 'Zwangskontext' wie beim ATA
Podiumsdiskussion: Sichtweisen - Kontexte - Schlussfolgerungen' - Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Klima
Das ist ein Ausschnitt aus dem Bereich, der oft gar nicht an die Gerichte gelangt. Bei Gericht landen (Zahlen aus 2003):
Die Ausgaben in der Justiz sind dafür ca. EUR 873 Mio. Euro, davon bezahlen die Parteien selbst 630 Mio.
Sichtlich sind Mediatorinnen und Mediatoren schon recht gute Kaufleute - es heißt doch, 'Jammern ist das Lied des Kaufmanns' !
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