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Jahrestagung des BÖP 14.10.2006, Hotel Modul

Eröffnung der Tagung durch Vizepräsident Cornel Binder-Krieglstein in Vertretung von Ulla Konrad (Präsidentin des BÖP)

Liv Zaslawski (statt Alexander Gindl): Mediation mit gehörlosen Menschen

Univ.-Prof. Dr. Leo Montada 'Wieviel Psychologie braucht die Mediation?'

Univ.- Prof. Dr. Reiner H. E. Bastine 'Welche psychologische Kompetenzen brauchen MediatorInnen?'

Dr. Gerald Kastner 'Kinder in der Mediation'

Podiumsdiskussion 'Sichtweisen - Kontexte - Schlussfolgerungen' - Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Klima

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Cornel BINDER-KRIEGLSTEIN ...

... eröffnet die Jahrestagung des BÖP mit den Worten: 'Mediation wird unterschätzt. Es geht um mehr als strukturierte Vermittlung: Es ist eine Einstellung, eine Grundhaltung.'

 

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Liv ZASLAWSKI (LZ): Mediation mit gehörlosen Menschen

Mediation und Gehörlosigkeit- Konfliktbearbeitung ohne Grenzen

Folien vom Vortrag Liv Zaslawski

Im Behindertengleichstellungsgesetz, welches am 1. Jänner 2006 in Kraft getreten ist, ist die Möglichkeit der kostenfreien Mediation als zentraler Bestandteil des Gesetzes festgeschrieben. Damit wird Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen das Recht eingeräumt, sich gegen Diskriminierungen zur Wehr zu setzen. Die benachteiligte Person kann das Bundessozialamt anrufen, wo den Konfliktparteien eine durch das Bundessozialamt finanzierte Mediation vorgeschlagen wird.

In Familien mit gehörlosen und hörenden Mitgliedern stellen nicht nur die alltäglichen Streitereien zwischen den Generationen, sondern häufig auch die mangelnde Kommunikation ein gewaltiges Konfliktpotential dar. Allerdings sind gehörlosen Personen außerhalb des geschützten Familienverbandes wesentlich mehr durch Kommunikationsbarrieren und fehlender Sensibilität der hörenden Welt Konflikten in der beruflichen Umwelt ausgesetzt.

Daher ist es vor allem in Streitigkeiten, an denen gehörlosen Parteien beteiligt sind, von besonderer Bedeutsamkeit die Kommunikationsschwierigkeiten durch unterschiedliche Methoden und zusätzlicher Professionisten in Form von DolmetscherInnen zu minimieren, um eine positive Ausgangssituation zur Konfliktbearbeitung zu schaffen.

Im Falle der Mediation mit gehörlosen Personen ist es ein Zeichen der Gleichberechtigung der Parteien, wenn der/die Mediator/in gebärden kann und den Klienten damit das Gefühl der Anerkennung und des Verständnisses vermittelt.

Der Versuch, sowohl die Aufgaben eines/einer MediatorIn als auch die eines/einer äGS- DolmetscherIn zum seIben Zeitpunkt zu bewältigen, kann aufgrund einiger grundlegender Gegensätze zwischen den beiden Berufsbildern niemals die erwünschten Ergebnisse erzielen. Dies verdeutlicht die folgende Gegenüberstellung der wesentlichsten Grundsätze von Mediation und Dolmetschen:

MediatorIn DolmetscherIn
  • MediatorInnen verändern das Gesagte (Normalisieren, Reframing)
  • MediatorInnen stellen Machtgleichgewicht her
  • MediatorInnen sind neutral
  • ÖGS-DolmetscherInnen helfen nicht in der unmittelbaren Arbeitssituation
  • ÖGS-DolmetscherInnen haben keine eigene Meinung
  • ÖGS-DolmetscherInnen übersetzen alles

Zwar verstehen sich beide Berufsbilder als neutral bzw. allparteilich gegenüber den Personen. Falls in der Mediation ein ersichtliches Machtungleichgewicht besteht, wird der/die Mediator/in versuchen, dieses durch Unterstützung der schwächeren Seite auszugleichen. Es wird auch deutlich, dass durch unterschiedliche Mediationstechniken, wie etwa Refraiming bzw .Neutralisieren der Dolmetscher-Grundsatz der uneingeschränkten Übersetzung verletzt wird.

Zusätzlich zu den oben dargestellten Problemen ist es sehr schwierig für eine Person, die sowohl Mediator als auch Dolmetscher ist, ständig die Aufgaben der unterschiedlichen Berufe zu differenzieren und die uneingeschränkte Neutralität zu behalten. Durch einen zusätzlichen Dolmetscher, der abwechselnd in Lautsprache und Gebärdensprache, den Parteien, die gerade nicht mit dem Mediator arbeiten, übersetzt, kann zusätzliches Vertrauen aufgebaut und auch eine gewisse Zeitersparnis gewonnen werden.

Worauf ist seitens der Mediatorin bzw. des Mediators zu achten, angesichts der außergewöhnlichen Situation der Mediandlnnen?

Was bedeutet die Einbeziehung eines Dolmetschers für den Mediationsprozess und die Beteiligten?

Wichtige Fragen, die es zu überdenken gilt.

Es gibt ca. 10.000 gehörlose Personen, dazu kommen weitere 500.000 Hörbeeinträchtigte.

Österreichische Gebärdensprache: hat regionale Dialekte; z.B. heisst die gleiche Gebärde in Wien 'Entschuldigung', in Kärnten aber 'Wie heißt Du?'.

Es ist wünschenswert, wenn die Mediatorin/der Mediator bei einer Mediation mit einer gehörlosen Person gebärden kann. Dies erspart aber nicht die/den ÖGS-DolmetscherIn. Würde dies in einer Person vereint, kommt es leicht zu Rollenkonflikten.

Die Wahl der Dolmetscherin/des Dolmetschers obliegt der gehörlosen Person. (http://www.oegsd.at ÖGS-DometscherInnenverband )

? Reiner Bastine: Wird wörtlich gedolmetscht?
! LZ: Die ÖGS beinhaltet auch sehr viel Mimik und Gestik, hat eine völlig andere Grammatik und Struktur.

? RB: Könnte nicht der/die ÖGS-DolmetscherIn bereits - wie MediatorInnen sonst auch - 'übersetzen' im Sinne von umdeuten, reframen etc.?
! LZ: Wenn die anderen Personen das Gespräch nicht mitverfolgen können, wirkt das wie eine 'Verbrüderung', es entsteht u.U. ein 'Geheimwissen'.

? Karin Edelhart: Ich habe bei einem innerbetr. Konflikt zwischen österr. und ital. Kollegen selbst gedolmetscht.

? Gerald Kastner: Was ist mit 'Übersetzungsmaschine' gemeint?
! LZ: Einfach die inhaltsgetreue Übersetzung ohne Umgestaltung.

 

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Univ.-Prof. Dr. Leo Montada, Wieviel Psychologie braucht die Mediation?

Mediation wird von Akademikern mit verschiedenen Ausbildungen und 'Grundberufen' professionell angeboten. Diese faktische Interdisziplinarität spiegelt sich auch in der einschlägigen Literatur und den Ausbildungsprogrammen wieder. Aus Sicht der Psychologie sind einige 'Mythen' in der Mediationsliteratur zu problematisieren:

  • Sollen sich Mediatoren zurückhalten, auf eine Moderatorenrolle beschränken, oder aktiv führen und intervenieren?
  • Gilt das Sachlichkeitsgebot oder sind Emotionen zuzulassen und konstruktiv zu bearbeiten?
  • Wie ist die Empfehlung an Medianten, ihre Interessen zu verfolgen statt auf ihren 'Positionen' zu beharren sinnvoll zu verstehen?
  • Ist die Empfehlung, nach vorne zu schauen, statt die Vergangenheit aufzuarbeiten, sinnvoll?

Die Psychologie ist eine Schatztruhe für die konstruktive Gestaltung von Mediationen, spezifisch:

  • für die Analyse von Konflikten,
  • für ihre Beilegung,
  • für die Relativierung konfliktträchtiger normativer Überzeugungen,
  • für die Vermeidung von Urteilsfehlern,
  • für die Erarbeitung von 'Gewinner-Gewinner-Lösungen..'

Viele Forschungsrichtungen der Psychologie liefern wichtige Erkenntnisse und Methoden für eine erfolgreiche Führung von Mediationen.

Was sind mögliche 'Entwicklungsgewinne' durch eine Mediation?
Was sind Grenzen der Mediation?

Der Titel des Vortrags heißt: 'Wieviel Psychologie braucht die Mediation?'
'Sie kann nie genug kriegen!' sagt Montada.
Und:
'Die Hauptschauplätze sind nicht justiziabel.'
'Harvard ist ein Verhandlungsmodell, kein Mediationsmodell'.

Die Frage ist: Wo liegt der Kern des Konflikts?
Meiner Meinung nach in subjektiven Rechtsüberzeugungen. Daher geht es darum, den normativen Kern eines Konflikts herauszuarbeiten.

Wo liegen die Quellen normativer Überzeugungen?

  • Menschenrechte
  • Verfassung
  • kodifizierte Gesetze
  • Richterrecht
  • Gewohnheitsrecht
  • religiöse Überzeugungen
  • sittliche Normen
  • konventionelle Normen
  • implizite und explitite Verträge
  • Versprechen
  • Anstandsformen
  • ...

'Normquellen sebst sind untereinander schon nicht widerspruchsfrei.'

'Konflikte sind ubiqitär.'

'Grechtigkeit' gibt es nur im Singular. Als ob es EINE Wahrheit gäbe.

Welche Ungleichheit erlaubt Ungleichbehandlung?

  • bisherige Leistungen
  • erworbene Verdienste
  • durch Haltung erworbene Verdienste
  • Seniorität
  • Mitgliedschaften einschließlich Staatsbürgerschaft
  • sozialer Status
  • Alter: Vorrecht, Schutz, Förderung
  • Geschlecht
  • Besitzstand / Vertrauensschutz

Was heißt 'Konfliktbeilegung' ?

Ist der Konflikt beigelegt, wenn der Richter entschieden hat?
Der Richter muß seine Entscheidung so begründen, daß der Verlierer sie einsieht, also seine Rechtsauffassung ändert.

Oft wird das eigene Handeln durch vorausgegangene Konflikte gerechtfertigt: als Rache, Vergeltung etc.

Was ist 'Verzeihung' ? (Funktionalität der 'Bitte um Verzeihung')

  • Schuldeingeständnis: 'Ich habe eine Norm verletzt."
  • Man kann sich nicht selbst 'entschuldigen' !

    Das normative Dilemma:
    Mit gutem Grund können verschiedene Positionen bezogen werden. Diese EInsicht nimmt dem Konflikt die Giftigkeit.

    Vertrag:
    ... ist die Rechtsordnung für das Binnenverhältnis.

    Ein Vertrag ist gerecht, wenn ...

    1. er freiwillig, ohne Zwang und Nötigung beschlossen wurde
    2. wenn die Vertragsparteien gleich informiert sind, auch über die Auswirkungen
    Eine interkulturelle Differenzierung gibt es, weil die christliche Kultur das Recht als 'Sozialvertrag' ansieht, der Islam als 'offenbar(t)es Normensystem'

    Blockaden zwischen den Konfliktparteien:

    • Die andere Partei ist eigennützig
    • Der Kuchen kann nicht vergrößert werden

    Lösungsanreicherungen am Beispiel Nachbarn:

  • gegenseitiges Blumengießen
  • teure Geräte egeminsam anschaffen
  • Wie soll man Vertrauen in die Zukunft haben, wenn es in der Vergangenheit nicht funktioniert hat? (Kränkungen aus der Vergangenheit)

    • Aus Angst, sich mit Emotionen auseinanderzusetzen
    • Verstehen, wie Emotionen positiv eingesetzt werden können.

    'Mediation ist eine Gelegenheit, anhand eines Konfliktes mehr über sich zu lernen.'

    'Empörung ist eine Reaktion auf eine Normverletzung.'

    Repräsentanten in der Mediation: Hier ist die 'Eigenverantwortung' besonders schwer zu tragen, diese Repräsentanten müssen ja dann noch jeweils rückfragen!

    Mediation vs. Therapie:
    In der Therapie werden Dispositionen verändert: 'standardisierte Reaktionstendenzen' werden neu geschrieben. Auch in der Mediation muß die konfliktrelevante Auswirkung verändert werden.

    ANGST: Wer Angst hat, sieht irgendetwas als Gefahr.

     

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    Univ.- Prof. Dr. Reiner H. E. Bastine, Welche psychologischen Kompetenzen brauchen MediatorInnen?

    Folien vom Vortrag Prof.em.Dr.Reiner Bastine

    Diese Frage wird immer wieder gestellt, selten aber genauer untersucht oder gar beantwortet, obwohl sie durchaus zentral ist für einige elementare Qualifizierungsmerkmale der Profession Mediation, z.B. für die Gesetzgebung zur Mediation, für die Entwicklung beruflicher Standards oder auch für Konzeption und Inhalte der Ausbildung.

    Roger Fisher, Daniel Shapiro haben geschrieben: Beyond Reason: Using Emotions as You Negotiate - auf deutsch könnte man sagen 'jenseits aller Vernunft'. Es geht also doch um mehr als Intellektuelles. Die im Harvard-Konzept beschriebene Trennung von Sache und Person wird hier zu Recht in Frage gestellt.

    Das ist der erste Grund, warum Mediation Psychologie braucht.

    Mediation als Interaktion und Kommunikation: Ist dies ein geplanter Prozeß?
    NEIN, wenn keine "Gesetzmäßigkeiten" angenommen werden, JA, als kreativer Prozeß.

    Es braucht

    • Kenntnisse und Wissen
      • über interpersonelle Konflikte und Probleme
      • über die professionelle Behandlung von interpersonellen Konflikten und Problemen
      • über das System der Mediation incl. Forschung und Qualitätsmanagement
    • Fertigkeiten zur Lösung von Konflikten und Problemen ('Handlungskompetenzen')
    • Haltungen und Einstellungen für professionelle Konfliktlösungen

    Nicht zuletzt wollen auch diejenigen, die diesen Beruf ergreifen wollen, wissen, was sie an psychologischen Kompetenzen für eine erfolgreiche Tätigkeit als Mediatoren benötigen -als Psychologen, die manche Voraussetzungen eventuell schon mitbringen, oder als Nicht- Psychologen, die diese erst noch erwerben müssen.

    Der Vortrag hat vor allem drei Themen diskutiert:

    1. Welche psychologischen Fertigkeiten und grundlegenden Haltungen brauchen Mediator/inn/en?
    2. Welche fachlichen Kenntnisse über den jeweiligen Anwendungsbereich der Mediation brauchen sie?
    3. Welche Qualitäten brauchen Mediatoren, um die Qualität des Mediationsangebots sicherzustellen?

    ad 1. Welche psychologischen Fertigkeiten und grundlegenden Haltungen brauchen Mediator/inn/en?

    Die Organisation 'Family Mediation Canada' hat 2004 mit der Zertifizierung von MediatorInnen begonnen.

    Ziel:

    • Erfassung von Fertigkeiten, möglichst beobachtbare kommunikative Verhaltensweisen (Skills).

     

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    Dr. Gerald Kastner, Kinder in der Mediation

    Der Weg vom Sachverständigen und Gutachter für die Wiener Jugendwohlfahrt zum Mediator für Scheidungs- und Trennungsfamilien beginnt mit einer Pflichtverletzung...

    • 'Während meiner Ausbildung war ich 1971-1973 auf der Kindertherapie. Wiederholt hat das Gericht aufgefordert, Gutachten über die Kinder zu erstellen, wie lange sie beim Vater bleiben können, ob sie übernachten sollen usw.
    • Das wollte ich nicht. Ich habe dann begonnen, die Eltern einzuladen und mit Ihnen zu reden. Dann haben wir miteinander etwas vereinbart, das habe ich dann in Form einer 'Niederschrift' festgehalten. Diese Niederschrift habe ich dann statt eines Gutachtens abgeliefert.
    • Das habe ich dann in der K & K-Beratungsstelle fünfzehn Jahre lang weiter fortgesetzt.

    Jede Konfliktpartei baut eine Burg. Dann werden Aliierte gebraucht - die Kinder. Da kann es dann schon sein, daß der eine Elternteil so viel über den anderen herzieht, daß nur mehr das Negative übrigbleibt.

    • Ich hatte einen Buben, da waren alle positiven Erinnerungen an den Vater gelöscht, einfach weg.
    • Wir haben diese Geschichte dann in vielen Gesprächen wieder aufgebaut.

    Jeder Mensch braucht seine eigene Geschichte, seine eigene Story.

    • Manchmal genügt schon die Erinnerung an EINEN Spieleabend.
    • Es ist furchtbar, wenn die gute Geschichte verlorengegangen ist und nur die schlechte Geschichte übrigbleibt.
    • Kinder brauchen für ihre Identität eine gute Familiengeschichte: die Liebesgeschichte der Eltern dieses Zueinander bekennen das Eltern-werden Wollen

    Kinder brauchen es auch kennnenzulernen, wie sich die Eltern über etwas einigen können.

    • Die Möglichkeit, sich versöhnen zu können, ist für die eigene Zufriedenheit essentiell.

    Im Problem- und Lösungsstand der Mediation beginnt für die von der MediatorIn unterstützten Streitparteien eine Ressourcen- und Optionensuche für nachhaltige, nützliche und realisierbare Vereinbarungen.

    • LÖSUNGEN = Verkrustungen, Verhärtungen auflösen

    Welche Vereinbarungen gelingen, welche mißlingen können, hängt von vielen Außenkriterien, Evaluatoren ab.

    Was Streitparteien in der Scheidungs- und Trennungsmediation vereinbaren, muß von anderen - den Kindern, neuen Lebenspartnern, Schwieger- und Großeltern (mit)gelebt werden. Sie sind die Evaluatoren für die Vereinbarungen.

    Vereinbarungen - in bester Absicht - scheitern, wenn die Grundbedürfnisse der von den Lösungen (Mit)Betroffenen nicht erkannt, definiert, respektiert und eingebaut werden.

    Also - recht simpel - beginnen wir bei den Kindern, setzen wir fort bei den neuen Lebenspartnern, hören wir die 'Stiefs'- an und so weiter. Je mehr wir (Setting Streitparteien und MediatorIn) von deren Bedürfnissen, Wünschen, Grenzen, Sorgen wissen, umso mehr Wegweiser sind aufgestellt, um in den Bereich nützliche, machbare, befriedigende Lösungen zu kommen.

    Aber wie baut man (z.B.) Kinder in die Mediation ein? Gibt es Dos und Don'ts ?

    Wie redet man mit Kindern?

    • Ich frage nie nach dem 'Warum'
    • Warum-Fragen sind unangenehm
    • Warum-Fragen vertiefen die Position
    • Wir bauen dann das Luftschloß.
      • 'In Ordnung wäre es, wenn ...'
      • 'Angenehm   wäre es, wenn ...'
      • 'Aushaltbar wäre es, wenn ...'

    Kinder wünschen sich dann manchmal, ...

    • ...daß man alleine telefonieren kann,
    • daß der Papa nicht immer Botschaften für die Mama mitgibt

    Was ist der Kollateralnutzen des Einbindens ?

    • Für eine gut lebbare Vereinbarung zwischen den Eltern brauche ich auch das Wissen um die Bedürfnisse der Kinder.

    Hopp oder dropp -oder -die sorgfältige Implementierung?

    1. Es beginnt damit, das Gespräch der Eltern mit den Kindern vorzubereiten, wo die Scheidungsabsicht bekanntgegeben wird.
    2. Empfehlenswert ist es, den Text genau aufzusetzen und zu üben:
      'Wir, Papa und ich, haben miteinander ...'
    3. 'Wir brauchen als Entscheidungsgrundlage, was ihr Euch wünscht.'
    4. Kinder wollen wissen, ob das echt ist oder schon wieder eine neue Finte.

    Bin ich verantwortlich für die Qualität der Werksküche, wenn ich davon erzähle, was mir schmeckt und was ich nicht mag ?

    Den Kindern zuviel Verantwortung aufbürden ?

    • Die Kinder dürfen nicht als Entscheidungsgträger mißbraucht werden.

    Es ist eine 3-fache Kontextklärung notwendig:

    1. Hier kannst Du alles sagen, was Du Dir wünscht, was Du willst, was Du brauchst.
      Entscheiden werden Deine Eltern.
      Du wirst nicht entscheiden!
    2. Ich oder wir zusammen werden die Eltern über das Besprochene informieren
    3. Zusammenfassen: 'Wo sind die Nuggets unter alldem Schrott?'(Henz)

    Gemeinsam besprechen wir dann den Bericht an die Eltern. Wir machen uns vorher aus,

    1. ob ich berichte, was besprochen wurde
    2. ob ich berichte und die Kinder sind dabei
    3. ob die Kinder berichten und ich bin dabei.

    Bei dieser Besprechung wird nichts vereinbart, das ist wichtig. DIE ELTERN MACHEN SICH DAS AUS !

    Oft ist noch ein Nachjustieren notwendig

    MEINUNG - DEINUNG

    • Ich habe oft darüber nachgedacht, warum es im Deutschen eine 'Meinung' gibt aber keine 'Deinung'
    • Ich bin draufgekommen, daß das 'mein' nicht besitzanzeigend gemeint ist, sondern von 'Minne' kommt. 'Meinung ist narzisstisch besetzt !

    Noch ein Wort zur 'Freiwilligkeit': Freiwillig heißt, ich muß verstehen, worauf ich mich einlasse, und das auch wollen. Dies ist für mich der 'zugemutete Kontext' im Gegensatz zum 'Zwangskontext' wie beim ATA

     

     

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    Podiumsdiskussion: Sichtweisen - Kontexte - Schlussfolgerungen' - Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Klima
    TeilnehmerInnen: Rosemarie Rath (RR), Christine Mattl (CM), Wolfgang Klima (WK), Elisabeth Gazso (EG), Leo Montada (LM), Reiner Bastine (RB) - und das pt.Publikum

     
    Statements zur Frage des Feldwissens:
    CM: 'Das Fachwissen aus dem spezifischen Bereich ist schon alleine aus Marketinggründen notwendig.'
    RR: 'Der Quellberuf gibt Medianden das Vertrauen, daß die Mediatorin damit umgehen kann.'
    LM: 'Manche Konflikte versteht man nicht ohne Fachwissen.'

     
    Konfliktlösung im Unternehmen (innerbetriebliche Mediation):
    Gerald Kastner zur Unternehmenskultur: 'Wichtig ist der Umgang mit Konflikt und Kritik im unternehmen.'
    LM: 'Vorgesetzte sind in der Pflicht zur Konfliktdiagnose. Die Analyse kann schon ein Helfer machen, die Lösung sowieso.'

     
    Wird man von der Mediation leben können?
    Peter Adler: Zitat von Wolfgang Vovsik: 'Konflikte sind eine nachwachsende Ressource.'
    Wie schaut der Markt aus? Es gibt heute:

    • ca. 2.000 Scheidungsmediationen (davon 1.000 geförderte) von rd. 18.000 Scheidungen insgesamt/Jahr,
    • knapp 9.000 Fälle im außergerichtlichen Tatausgleich (von 120.000 Strafverfahren);
    • 3.500 Schulen mit 1,1 Mio. SchülerInnen, 120.000 LehrerInnen und unzählbaren Eltern und Elternvereinen.
    • 300 Krankenhäuser mit Millionen von PatientInnen, Ärztinnen und Ärzten, Pflege- und kaufmännischem Personal.
    • 3,3 Mio. unselbständig Beschäftigte in rund 300.000 Unternehmen,
    • alleine in Niederösterreich gibt es 20.000 Kündigungen pro Jahr.

    Das ist ein Ausschnitt aus dem Bereich, der oft gar nicht an die Gerichte gelangt. Bei Gericht landen (Zahlen aus 2003):

    • 3,6 Mio. neue Fälle / Jahr in 40 verschiedenen Verfahrensarten
    • 850.000 Zivilverfahren
    • 1,16 Mio Exekutionsverfahren
    • 120.000 Strafverfahren
    • 610.000 staatsanwaltliche Verfahren

    Die Ausgaben in der Justiz sind dafür ca. EUR 873 Mio. Euro, davon bezahlen die Parteien selbst 630 Mio.

    Sichtlich sind Mediatorinnen und Mediatoren schon recht gute Kaufleute - es heißt doch, 'Jammern ist das Lied des Kaufmanns' !
    Wir MediatorInnen werden lernen,

    1. wie wir Kundenbedürfnisse erkennen,
    2. wie wir den KundInnen kommunizieren, was unser Angebot ist,
    3. wie wir die richtigen Preise zu machen und
    4. arbeitsteilig zusammenarbeiten in Beratung und Mediation, Erstellung von Unterlagen, technischen Fragen
    5. aber auch arbeitsteilig in Verkauf, Marketing und kaufmännischen Fragen:
      Nicht jede(r) Mediator(in) ist gleich gut in Finanzen, im Einkauf, in der Vertragsgestaltung, im Marketing, beim sich-selbst-Verkaufen, etc.
    6. Nicht jede(r) Mediator(in) ist in ganz Österreich präsent.
    7. Nicht jede(r) Mediator(in) ist gleich gut in allen Bereichen von Scheidung bis zur Umweltmediation. Von Ärzten würde das nie erwartet werden, die Haltung wäre mir da zu wenig.

     
    Zur ETHIK:
    Gerald Kastner: Wieviel müsen wir noch von der Lehre dekonstruieren, oder: Wie viele Lehrgebäude müssen noch abgerissen werden?