APA0180 5 II 0510 XI Di, 18.Sep 2007
Schulen/Universitäten/OECD/Studie/Grafik
OECD: Hohe "Bildungsrendite" in Österreich - Reiche bevorzugt
Utl.: Einkommensgefälle zwischen Gering- und Hochqualifizierten hoch - "Soziale Bildungsmobilität vergleichsweise gering"
Wien (APA) - Ein hoher Bildungsabschluss zahlt sich in Österreich wie in kaum einem anderen Land aus - zu diesem Schluss kommt die OECD in ihrer am Dienstag vorgestellten Studie "Education at A Glance (Bildung auf einen Blick) 2007". Das Einkommensgefälle zwischen Hoch- und Geringqualifizierten und damit die "Bildungsrendite" ist hierzulande im Vergleich zu anderen Industriestaaten extrem hoch - was vor allem auf die niedrige Akademikerquote zurückzuführen ist. Problem in Österreich ist auch, dass "der Zugang zur Hochschulausbildung stark von der sozialen Herkunft abhängig ist", so die OECD. Sie folgert, dass "Österreich von einer höheren Akademikerquote profitieren würde".
In Österreich erzielten im Jahr 2005 Berufstätige mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Schnitt ein um 74 Prozent höheres Einkommen als Berufstätige, die nur über Matura oder eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten. Nur in Ungarn (116 Prozent), Irland (86), Tschechien (85), den USA (83), Portugal (79) und Großbritannien (77) waren die Renditen einer Hochschulausbildung noch höher.
Geringqualifizierte, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. Matura verfügen, verdienen in Österreich um 29 Prozent weniger als etwa Maturanten bzw. Lehrabsolventen. Größere Unterschiede gibt es nur in Portugal (43 Prozent), der Türkei (35 Prozent), den USA und Südkorea (je 33 Prozent) sowie Großbritannien (31 Prozent). Die "sehr hohe Bildungsrendite in Österreich legt nahe, dass die Nachfrage nach Hochqualifizierten durch das Angebot nicht befriedigt werden kann", folgert die OECD. Dass eine höhere Zahl an Hochqualifizierten anderen Arbeitnehmern ohne eine solche Ausbildung schaden könnte, lasse sich derzeit nicht erkennen: "Im Gegenteil: Wenn die Wirtschaft auf eine ausreichende Zahl Hochqualifizierter zurückgreifen kann, dann wächst sie schneller, und auch Geringqualifizierte finden dann leichter einen Job."
Einmal mehr weist die OECD darauf hin, dass der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit Hochschulabschluss in Österreich mit 20 Prozent weit unter dem OECD-Mittel von 36 Prozent liegt. Zwar seien die Absolventenraten in Österreich leicht steigend, in den meisten anderen OECD-Staaten würden sie aber stärker anwachsen. Für Österreich lassen "die weit unterdurchschnittlichen und wenig dynamischen Studienanfängerzahlen (37 Prozent eines Jahrgangs gegenüber 54 Prozent im OECD-Mittel) und die sehr hohen Abbrecherquoten (35 Prozent gegenüber 29 Prozent im OECD-Mittel) keine wesentliche Steigerung der Absolventenzahlen für die kommenden Jahre erwarten". Umgekehrt verfügen in Österreich 81 Prozent der Bevölkerung über einen Sekundarabschluss (OECD: 68 Prozent)
Besonderer Wermutstropfen: In Österreich ist laut OECD "die soziale Bildungsmobilität vergleichsweise gering - und das trotz der Tatsache, dass das Studium weitgehend steuerfinanziert ist und der Staat Studenten aus einkommensschwachen Verhältnissen im OECD-Vergleich zumindest durchschnittliche Unterstützung gewährt". So ist der Anteil von Akademikerkindern an Hochschulstudenten 2,5 Mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Einzig in Portugal ist dieser Anteil mit 3,2 Mal noch höher - in Irland dagegen hat die akademische Bildung des Vaters praktisch keinen Einfluss darauf, ob ein Kind studiert. Auf der grünen Insel entspricht der Anteil der Akademikerkinder an den Hochschulstudenten ihrem Bevölkerungsanteil (1,1). Auch in Spanien (1,5), den Niederlanden (1,6), Italien und Finnland (je 1,7) ist der Einfluss des Bildungsstands des Vaters viel geringer als in Österreich.
(Schluss) aku/cm/bei
APA0180 2007-09-18/11:00
181100 Sep 07
APA0181 5 II 0353 XI Siehe APA0180/18.09 Di, 18.Sep 2007
Schulen/Universitäten/Bildung/OECD/Budget/Grafik
OECD: Bildung hat für Staat Österreich immer weniger Priorität
Utl.: Anteil der Bildungsaufwendungen an öffentlichen Ausgaben konstant, gemessen am BIP sogar gesunken
Wien (APA) - Österreich wendet vergleichsweise wenig für den Bereich Bildung auf. Während der Anteil der Bildungsausgaben an den gesamten öffentlichen Aufwendungen in den meisten OECD-Ländern in den vergangenen Jahren gestiegen ist, sind in Österreich keine Zuwächse zu verzeichnen. Dies geht aus der neuen, am Dienstag veröffentlichten OECD-Studie "Bildung auf einem Blick" hervor. In Österreich ist demnach zwischen 1995 und 2004 der Anteil der Bildungsausgaben an den gesamten Staatsausgaben konstant bei rund 10,8 Prozent geblieben, während der OECD-Schnitt in diesem Zeitraum um 1,1 Prozentpunkte auf 13,4 Prozent gestiegen ist.
In absoluten Zahlen seien die österreichischen Bildungsausgaben in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, das gilt aber nicht relativ gesehen zur nationalen Wirtschaftskraft, konstatiert die OECD. So sank der Anteil der Bildungsaufwendungen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,1 Prozent im Jahr 1995 auf 5,4 Prozent im Jahr 2004. Damit findet sich Österreich in Gesellschaft von rund einem Drittel der OECD-Länder, wo die Bildungsausgaben nicht mit dem Wirtschaftswachstum mithalten konnten.
Entgegen diesen Tendenzen liegen die Bildungsausgaben pro Schüler bzw. Student deutlich über dem OECD-Schnitt. Misst man von der Volksschule bis zur Universität, liegen die Ausgaben pro Kopf in Österreich bei 9.803 US-Dollar (kaufkraftbereinigt), im OECD-Schnitt sind es 7.061 US-Dollar. Von den gesamten Bildungsausgaben wurden 2004 in Österreich 92,8 Prozent (1995: 93,4) von der öffentlichen Hand finanziert, was Österreich zu einem der OECD-Länder mit dem höchsten Anteil öffentlicher Finanzierung im Bildungsbereich macht. Allerdings macht die OECD auf mehrere Punkte aufmerksam: So wird der Kindergartenbesuch in Österreich nur zu rund 70 Prozent öffentlich finanziert, gegenüber 80 Prozent im OECD-Durchschnitt bzw. 100 Prozent etwa in Schweden. Im Primar- (Volksschule) und Sekundarbereich (Zehn- bis 18-Jährige) ist zwischen 1995 und 2004 der Anteil der privaten Bildungsfinanzierung von 3,8 auf 4,7 Prozent gestiegen - und damit schneller gewachsen als die öffentlichen Ausgaben. Im Tertiärbereich (Unis, Fachhochschulen) hat sich vor allem durch die Einführung der Studiengebühren der Anteil der privaten Finanzierung von 3,9 auf 6,3 Prozent deutlich erhöht.
(Schluss) cm/aku/bei
APA0181 2007-09-18/11:00
181100 Sep 07
OECD: Österreich-Ergebnisse im Detail
Utl.: Von Ausgaben über Drop-Out-Raten bis zu Lehrergehältern
Wien (APA) - Im Anschluss Detailergebnisse aus der am Dienstag veröffentlichten OECD-Studie "Education at A Glance (Bildung auf einen Blick) 2007" in Kurzform:
AUSGABEN PRO SCHÜLER/STUDENT: Diese betragen von der Volksschule bis zur Uni kaufkraftbereinigt in Österreich pro Jahr durchschnittlich 9.803 Dollar (7.064 Euro), im OECD-Schnitt 7.061 Dollar (5.088 Euro).
BILDUNGSAUSGABEN: 1995 wurden in Österreich noch 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung ausgegeben (OECD: 5,4), 2004 waren es nur mehr 5,4 Prozent (OECD: 5,8). Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben an den Gesamtausgaben stagnierte in diesem Zeitraum in Österreich bei 10,8 Prozent, im OECD-Schnitt stieg er dagegen von zwölf auf 13,4 Prozent.
SEKUNDARABSCHLUSSQUOTE: In Österreich haben 81 Prozent der 25-64-Jährigen einen Abschluss der so genannten Sekundarstufe II (Matura, Lehrabschluss bzw. vergleichbarer Abschluss), im OECD-Schnitt dagegen 68 Prozent.
STUDIENANFÄNGERQUOTE: In Österreich beginnen 37 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium, in der OECD 54 Prozent.
ENTWICKLUNG DER STUDENTENZAHLEN: In Österreich wuchs zwischen den Jahren 1995 und 2004 die Studentenzahl nur um drei Prozent, während es im OECD-Schnitt in diesem Zeitraum um 41 Prozent mehr Studierende gab.
HOCHSCHULABSOLVENTEN EINES JAHRGANGS: In Österreich schließen 20 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium ab (Erstabschluss), im OECD-Schnitt 36 Prozent.
DROP-OUT-RATE AN HOCHSCHULEN: Vergleichsweise gering ist die Erfolgsquote österreichischer Studenten: Nur 65 Prozent schließen hierzulande ihr Studium tatsächlich ab, im OECD-Schnitt schaffen es 71 Prozent bis zum Abschluss.
DOKTORATSTUDIEN: In Österreich absolvieren zwei Prozent eines Altersjahrgangs ein Doktoratstudium (OECD: 1,3 Prozent).
"BILDUNGSRENDITE": In Österreich erzielten im Jahr 2005 Berufstätige mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Schnitt ein um 74 Prozent höheres Einkommen als Berufstätige, die nur über Matura oder eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten. Geringqualifizierte, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. Matura verfügen, verdienen in Österreich um 29 Prozent weniger als etwa Maturanten bzw. Lehrabsolventen. In beide Richtungen liegt Österreich dabei bei den Ländern mit den höchsten Einkommensunterschieden (kein OECD-Schnitt).
SOZIALE BILDUNGSMOBILITÄT: Der Anteil von Akademikerkindern an den Hochschulstudenten ist in Österreich 2,5 Mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Nur in Portugal ist er mit 3,2 Mal noch höher (kein OECD-Schnitt).
BETREUUNGSVERHÄLTNIS AN SCHULEN: An Volksschulen kommen in Österreich statistisch 14 Schüler auf einen Lehrer (OECD-Schnitt 17), in der Sekundarstufe (Zehn-bis 19-Jährige) elf Schüler (OECD: 13)
UNTERRICHTSZEIT: Sieben- bis Acht-Jährige haben in Österreich weniger Unterricht als in den anderen Industriestaaten (735 Stunden pro Jahr gegenüber OECD-Schnitt 793), Neun- bis Elf-Jährige ebenfalls etwas weniger (Ö: 812 Stunden, OECD: 839) und Zwölf- bis 14-Jährige etwas mehr (Ö: 958 Stunden, OECD: 931).
LEHRERGEHÄLTER: Die Lehrergehälter in Österreich liegen in der Volksschule mit jährlich 27.094 Dollar (19.524 Euro) (kaufkraftbereinigt) am Anfang der Karriere im OECD-Schnitt (27.723 Dollar/19.978 Euro), das Höchstgehalt ist mit 53.938 Dollar (38.869 Euro) deutlich höher als in den Industriestaaten (45.666/32.908 Euro). Im Sekundarbereich I (Hauptschule, AHS-Unterstufe) sind die Anfangsgehälter mit 28.379 Dollar (20.450 Euro) leicht unterdurchschnittlich (OECD: 29.772/21.454 Euro), das Höchstgehalt mit 56.139 Dollar (40.455 Euro) liegt dagegen deutlich über dem OECD-Schnitt von 48.983 Dollar (35.298 Euro). Ähnlich die Daten für den Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, BHS): die Anfangsgehälter in diesem Bereich liegen in Österreich bei 28.589 Dollar (20.602 Euro) pro Jahr (OECD: 31.154 Dollar/22.450 Euro), am Ende der Karriere gibt es in Österreich maximal 59.151 Dollar (42.625 Euro), im OECD-Schnitt 51.879 Dollar (37.385 Euro).
(Schluss) aku/cm/bei
OECD: Förderung von Migrantenkindern gelingt in Österreich schlecht
Utl.: Kaum Verbesserung zwischen erster und zweiter Generation
Wien (APA) - Die Förderung von Migrantenkindern in der Schule gelingt in Österreich im Vergleich mit anderen Staaten eher schlecht. Dies zeigt eine Spezialauswertung der PISA-Studie in der am Dienstag präsentierten OECD-Untersuchung "Education at A Glance (Bildung auf einen Blick) 2007". Und: In klassischen Einwanderungsstaaten wie Kanada und Australien rechnen Zuwandererkinder besser als "echte" Österreicher. Demnach verfügen in Österreich 14 Prozent der 15- bis 16-jährigen Zuwandererkinder der ersten (nicht im Inland geborenen, Anm.) und 13 Prozent der zweiten (bereits im Inland geborenen, Anm.) Zuwanderergeneration über eine Mathematik-Kompetenz, die nicht ausreicht, die einfachsten Rechen-Aufgaben bei der internationalen Bildungsvergleichsstudie PISA zu bewältigen ("Level Unter 1"). Bemerkenswert: Mit der Dauer des Aufenthalts der Familien werden die Leistungen - im Unterschied zu den meisten anderen Staaten - kaum besser.
Wesentlich bessere Werte weisen andere Einwandererländer auf: In Kanada sind nur rund drei Prozent der noch im Ausland geborenen Zuwanderer sehr schlechte Rechner, in Australien nur rund fünf und in den Niederlanden rund sechs Prozent. Mit Österreich in etwa gleichauf sind Dänemark (14 Prozent), die Schweiz (17), Deutschland (18) und Norwegen (19), schlechter schneiden Frankreich (22 Prozent), Schweden (24) und Belgien (25) ab.
Bei den Zuwandererkindern der zweiten Generation zeigt sich dann, dass deren Förderung in anderen Staaten offenbar besser funktioniert: Während der Anteil der ganz schlechten Rechner bei jenen Schülern, die bereits im Inland geboren sind, gegenüber der ersten Generation in Staaten wie Frankreich (von 22 auf elf Prozent), Schweden (von 24 auf zehn Prozent), der Schweiz (von 17 auf neun Prozent) und den USA (von 20 auf zwölf Prozent) stark sinkt, bleibt er in Österreich mit 13 Prozent (gegenüber 14) praktisch gleich, in Deutschland steigt er sogar von 18 auf 24 Prozent. Zum Vergleich: Von den "einheimischen" Schülern sind in den Vergleichsstaaten nur zwischen ein (Niederlande) und acht Prozent (USA) ganz schlechte Rechner (Österreich: vier Prozent). Interessantes Detail: In Staaten wie Kanada, Australien und Neuseeland unterscheiden sich die Mathematik-Leistungen von einheimischen und Zuwandererkindern kaum.
Ähnlich sieht es bei den Top-Schülern aus: Auf der höchsten Leistungs-Stufe (Level 5 und 6) finden sich in Österreich nur fünf Prozent der Zuwandererkinder der ersten und drei Prozent der zweiten Generation. Zum Vergleich: In Australien sind es jeweils rund 20 Prozent, in Kanada jeweils rund 22 Prozent. Damit rechnen die besten kanadischen und australischen Zuwandererkinder sogar besser als die besten "echten" Österreicher (16 Prozent Top-Rechner). Praktisch gleiche Ergebnisse ergab die Spezial-Auswertung der PISA-Studie zum Thema Lesen.
(Schluss) aku/cm/bei